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Eine kleine Weihnachtsgeschichte…;-)

Langsam, mit genüsslichem Blick mustere ich ihn von oben bis unten. Seine rote Jacke glänzt verführerisch. Obwohl ich sonst nicht auf Bärte bei Männern stehe, macht mir seiner absolut nichts aus. Im Gegenteil – sogar seine vollschlanke Figur macht mich an. Vorsichtig schleiche ich los, um ihn nicht zu erschrecken und zur Flucht zu animieren. Nun stehe ich vor ihm und das Wasser läuft mir im Mund zusammen. Ich kann mich kaum noch beherrschen. Am liebsten würde ich ihm sofort die Kleider vom Leib reissen. Vorsichtig sehe ich mich um. Guckt jemand? Keine Gefahr. Ich strecke die Hand aus und lasse meine Finger sanft über ihn gleiten – fahre seine Konturen nach. Schluck! Lange kann ich mich nicht mehr beherrschen. Noch einmal umschauen – keine Konkurrenz in Sicht. Unbarmherzig greife ich zu und halte ihn wie ein Schraubstock umklammert. Nur schnell weg hier – mit ihm natürlich. Die Frau an der Kasse wird misstrauisch beäugt. Will sie ihn auch haben? Ein Anflug schlechten Gewissens macht mir zu schaffen. Man sollte für sein Vergnügen nicht zahlen müssen. Egal – ICH WILL IHN HABEN! Der Weg nach Hause wird lang. Immer wieder betrachte ich ihn liebevoll, fahre über seinen leckeren Körper, male mir aus, was ich mit ihm tun werde, zu Hause, auf meiner Couch. Endlich angekommen! Ich kann es kaum erwarten. Erregung ergreift von mir Besitz. Die Schuhe fliegen in eine Ecke, die Jacke in die Andere. Wieder packe ich ihn und schon geht es zur Couch. Meine Finger spielen kurz mit seinem Glöckchen, dann ist er auch schon von seinem Gürtel befreit. Vorsichtlich helfe ich ihm aus seiner Kleidung. Hat er Angst? Egal! Dazu ist er da, oder etwa nicht? Nun steht er vor mir in seiner ganzen Pracht – nackt! Hmmmm….meine Augen fahren über seine braune Haut. Mein Mund ist wässrig. Ich kann nicht mehr länger warten, packe ihn und bohre meine Zähne in seinen Leib. Wie süß er schmeckt. Ich lasse ihn mir auf der Zunge zergehen. Fünf Minuten später ist bis auf seine Kleidung nichts mehr übrig. Ich habe ihn vernascht – meinen leckeren Lindt – Weihnachtsmann!

Beobachtungen.

Interessiert stellte er seine Nase in den Wind und nahm Witterung auf. Seinen Augen traute er schon lange nicht mehr. Sie waren im Lauf der Jahre immer schlechter geworden. Natürlich nahmen sie, ganz, wie es bei Beutegreifern üblich ist, noch jede Bewegung wahr, aber ein paar Mal war er schon der falschen Beute hinterher gegangen, weil er sich vorher nicht mit der Nase vergewissert hatte. Diese war immer noch so gut, wie früher. Vielleicht war sie sogar besser geworden, seit er nicht mehr so gut sah. Langsam und vorsichtig setzte er sich in Bewegung und ging der verheißungsvollen Spur nach. Da war sie. Nun veränderte sich seine Körperhaltung. Stolz reckte sich sein Kopf in die Höhe. Seine Rute erhob sich in die Luft und sein nicht mehr ganz so straffer Körper spannte sich. Fast auf den Zehenspitzen laufend, um noch größer zu wirken, näherte er sich ihr leichtfüßig. Seine Nackenhaare waren gesträubt, denn Vorsicht war geboten. Allzu oft hatte er bisher in seinem Leben die Erfahrung gemacht, dass manche von ihnen sehr ungnädig reagierten, wenn man sich ihnen zu forsch näherte und die Ungeduld der Jugend hatte er schon lange abgelegt. Nun standen sie sich gegenüber und er nahm verzückt ihren Duft auf, während auch sie, die bisher nur da gestanden hatte, sich dazu herabließ, an ihm zu schnüffeln. Er hob wieder den Kopf um seinen Hals über ihren Rücken zu legen und seine Nase kurz in ihrem Fell zu versenken. Sie verhielt sich abwartend, kam ihm mit keiner Geste entgegen, aber allein, dass sie ihn gewähren ließ, war für ihn Bestätigung genug. Plötzlich fühlte er sich wieder jung und beschwingt und das ließ ihn für einen kurzen Moment seine Zurückhaltung vergessen, denn als er sich auf die Hinterbeine erhob, und seine Vorderpfoten ihren Rücken berührten, drehte sie sich blitzschnell um und er spürte ihre Zähne, die an seinem Hals zusammenschlugen. Knurrend drehte er den Kopf weg, um ihrer Zurechtweisung zu entgehen. Damit gab sie sich zufrieden, denn sie wandte sich von ihm ab und widmete sich einer Duftspur auf dem Boden. Er gab sich interessiert und senkte seine Nase neben ihre, um ebenfalls zu untersuchen, was sie entdeckt hatte. Doch sein Interesse hielt nicht lange. Sie war eindeutig interessanter für ihn und so stolzierte er hoch erhobenen Hauptes um sie herum, bemüht ihre Aufmerksamkeit zu erregen und sie mit seiner Zurückhaltung gnädig zu stimmen. Obwohl es für den Beobachter so wirkte, als würde sie ihn ignorieren, wusste er, dass sie jede seiner Bewegungen verfolgte und dass sie ihn nur halbherzig abgewiesen hatte, spornte ihn an. Also startete er einen zweiten Versuch. Leider hatte er sich geirrt, denn plötzlich fand er sich auf den Hinterbeinen ihr gegenüber wieder. Ein Knurren stahl sich aus ihrer Kehle und ihre Augen fixierten ihn. Er stand ihr in nichts nach und versuchte seinen Mut zu beweisen, indem er ebenfalls laut knurrte und ihrem Blick standhielt. So verbrachten sie mehrere Sekunden auf den Hinterbeinen in trotziger Umarmung, bis er einem uralten Instinkt folgte und den Kopf abwandt, ihr somit seine ungeschützte Kehle darbot und als sie sich langsam wieder beruhigte, von ihr löste. Die Positionen waren vorerst geklärt und so verbrachten sie die restliche Zeit damit, nebeneinander über die Wiese zu traben und sich gegenseitig auf interessante Duftspuren aufmerksam zu machen. Mit der Weißheit des Alters jedoch wusste der alte Rüde, seine Zeit würde kommen. Der erste Schritt war getan.

Ein Einkaufstag.

Wie jeden Donnerstag, so fuhren wir auch an Diesem zusammen ins Einkaufszentrum, um unsere Wochenendeinkäufe zu erledigen und nebenbei noch ein bisschen bummeln zu gehen – meine Schwester und ich.

Und wie jeden Donnerstag war es auch heute wieder voll, da wir nicht die einzigen waren, die diesen Tag als ihren Einkaufstag auserkoren hatten. Aber das störte uns nicht. Wir hatten Zeit und nachdem wir die Besorgungen für unsere Familien gemacht hatten, suchten wir unser Lieblingskaffee auf, gönnten uns ein leckeres Stück Kuchen und beobachteten die Menschen, die an uns vorbeizogen.

Während des Gesprächs wurde meine Aufmerksamkeit von einem immer wiederkehrenden Geräusch gestört. Es hörte sich wie ein Knacken an und ich schaute mich um, um die Ursache des Geräusches festzustellen. Meiner Schwester fiel meine Unaufmerksamkeit nun auch auf. „Was ist denn?“ fragte sie. „Hm, ich weiß es nicht. Ich höre immer so ein komisches Geräusch – wie ein Knacken. Hörst du das auch?“ Wir lauschten beide, doch das Geräusch war plötzlich verstummt. Ich schüttelte nur den Kopf und tat es als Einbildung ab. Als ich meine Kaffeetasse an die Lippen setzte, ging plötzlich ein Ohrenbetäubendes Krachen durch das Gebäude, gefolgt von einem Kreischen, wie wenn Metall auf Metall reibt. Nun hatte es jeder gehört. Die Menschen blieben erschrocken stehen und sahen sich um. Wieder krachte es und nun wusste ich, wo das Geräusch herkam und sah zur Decke. Doch zu spät. Die Decke kam bereits auf mich zu und ich riss gerade noch die Hände schützend über meinen Kopf bevor es dunkel um mich wurde.

Als ich wieder zu mir kam, war es stickig. Die Luft war angefüllt von Rauch und Qualm. Es roch nach versengten Stromkabeln. Ich konnte nichts sehen. Dunkelheit umfing mich. Als ich versuchte, mich zu bewegen, stellte ich fest, dass ich zwischen irgendetwas eingekeilt war. Langsam tasteten meine Hände die Umgebung ab und fühlten ringsum nur Beton. Irgendwo ertönten Schreie. Gequälte Schreie und das Wimmern von Menschen, die große Schmerzen erleiden mussten.

Angst schnürte mir die Kehle zu und ich begann nach Luft zu ringen. Mein Körper verspannte sich und ich drückte mit meinen Händen, die das einzige waren, was ich wenigstens etwas bewegen konnte, gegen mein Gefängnis. Als ich die Sinnlosigkeit meines Tuns einsah, wurde ich plötzlich ruhig. Mein Atem wurde gleichmäßiger und ich bekam wieder Luft. Meine Sinne spannten sich und ich horchte auf das kleinste Geräusch. Die Schreie der Menschen waren schon vor einiger Zeit verstummt. Nur hier und da erklang noch ein entferntes Wimmern. Anna – Die Erkenntnis, dass meine Schwester hier irgendwo sein musste, traf mich wie ein Schlag. Sie saß mir genau gegenüber, als das Gebäude einstürzte. Also musste sie hier irgendwo sein. „Anna?“ versuchte ich zu rufen, doch es klang eher wie ein Krächzen. Ich hatte zu viel Staub eingeatmet und musste ein paar Mal kräftig husten. Dann ging es besser. „Anna? Bist du hier irgendwo?“ rief ich nun laut. „Anna! Melde dich, wo bist du?“ Immer wieder rief ich nach ihr und als ich schon fast aufgeben wollte, erklang unweit von mir ein Wimmern. „Anna?“ wiederholte ich noch einmal ihren Namen und hielt den Atem an, als ich gespannt auf eine Antwort wartete. „Sarah?“ ihre Stimme klang genauso belegt, wie meine noch vor wenigen Minuten. „Was ist passiert?“ fragte sie weinerlich. Tränen der Freude traten mir in die Augen und vermischten sich mit dem Schmutz auf meinem Gesicht, so dass sie in meinen Augen brannten. Ich zwinkerte ein paar Mal und schloss schließlich die Augen, da ich mit meinen Händen nicht an mein Gesicht kam. „Anna, das Gebäude ist eingestürzt.“ versuchte ich so ruhig wie möglich zu sagen. „Oh mein Gott!“ Es war mehr ein Flüstern, dass zu mir herüber drang, aber ich verstand es trotzdem. „Wie geht es dir? Bist du verletzt?“ fragte ich meine Schwester. „Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht bewegen und …“ nach einer Pause setzte sie hinzu „ich spüre meine Arme und Beine nicht.“ „Keine Angst. Das ist bestimmt nur der Schock, Anna.“ Meine Stimme zitterte, als ich versuchte, sie zu trösten. „Hast du Schmerzen?“ „Nein, ich spüre überhaupt nichts.“ antwortete sie und ihre Stimme klang trotz der Umstände sehr gefasst.

Ich weiß nicht, wie lange wir so da lagen. Eingeklemmt, begraben unter Tonnen von Beton in Dunkelheit und Stille, nur ab und zu durch unsere Versuche, uns gegenseitig Mut zuzusprechen, unterbrochen, als ich ein Geräusch vernahm. Es klang wie ein Scharren und dazu gesellten sich Laute, die ich nicht einordnen konnte. Sie klangen nicht menschlich. In diesem Augenblick war mir egal, ob es eine Ratte war, die versuchte, dem steinernen Gefängnis ebenfalls zu entkommen oder jemand, der nach uns suchte. Ich begann zu schreien: „He! Hallo! Hier sind wir! Bitte! Helft uns!“ Ich schrie solange, bis meine Stimme versagte, doch das Scharren und die Laute kamen zu meiner Erleichterung auch immer näher. Plötzlich erhellte ein Lichtstrahl meine dunkle Kammer. Etwas wurde hindurch geschoben und ich kann mich nicht erinnern, mich jemals so gefreut zu haben, als durch das Rohr eine männliche Stimme erklang, die mich aufforderte: „Verhalten sie sich bitte ruhig. Wir holen sie gleich hier raus.“ „Meine Schwester.“ rief ich so laut ich es mit meiner heiseren Stimme noch konnte. „Sie ist irgendwo in meiner Nähe. Bitte retten sie sie zuerst!“ Ich erhielt keine Antwort, hörte aber, wie über mir langsam Betonbrocken abgetragen wurden. „Anna?“ Sie hatte sich nicht mehr gemeldet, seit ich das Scharren vernommen hatte. „Anna!“ Ich rief immer wieder ihren Namen, so lange, bis über mir das Tageslicht erschien und ich geblendet die Augen schließen musste.

Später erfuhr ich, dass ein Rettungshund mich gefunden hatte. Sein Bellen und Scharren war es, das ich damals hörte.

Anna hat es nicht geschafft, aber ich bin dankbar, dass ich ihre Stimme noch einmal hören konnte. Ohne sie hätte ich vielleicht nicht durchgehalten.